Unterwegs für ein grenzenloses Europa

Wiesbadener Kurier 11.Mai 2019

 

KASTEL - So mancher Besucher mag sich gewundert haben: Am Freitag wurde die Reduit nicht von Rittern, dafür aber von Frauen und Männern in schwerer Motorradkluft und wehenden Europaflaggen besetzt. Die Initiative Wheels for Europe hatte erstmalig zu einer Sternfahrt aus den Partnerstädten nach Mainz und Wiesbaden aufgerufen. Erklärtes Ziel ist es, im Vorfeld der Europawahl für die europäische Idee zu werben. Gefolgt sind der Einladung geschätzte 60 Motorradfahrer und Oldtimerfreunde aus sechs Nationen. Die Oberbürgermeister und Schirmherren der Initiative, Michael Ebling und Sven Gerich, empfingen die bunte Gruppe aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Polen am Rheinufer - Frotzeleien zwischen den beiden Landeshauptstädten inbegriffen.

 

Notfalls geht es auch ohne Worte

 

Doch in einem waren sich die beiden Oberbürgermeister einig: Es sei "eine großartige Idee, Europa nicht nur auf bürokratischer Ebene zu verhandeln, sondern die Menschen im Friedensprojekt Europa sichtbar zu machen", sagte Sven Gerich. In der Initiative komme "die Sehnsucht, die wir mit Europa verbinden, in einer charmanten Weise zum Ausdruck", stellte Michael Ebling fest.

 

Beim gemeinsamen Mittagessen wurde deutlich, worin diese Sehnsucht für die Teilnehmer besteht. Es war ein wahres Durcheinander an Sprachen, es wurde übersetzt, und wo das nicht ging, stellte sich das gegenseitige Verständnis notfalls auch ohne Worte ein. "Ein friedliches Zusammensein, bei dem die Herkunft keine Rolle mehr spielte", beschrieb ein Teilnehmer die Stimmung.

 

Für die größte Gruppe, 14 Italiener aus Bovolone, war das Grund genug, die zwölf Stunden lange Fahrt in Kauf zu nehmen. Sie wollten ihre Anwesenheit als Geste für die Idee Europa verstanden wissen. Für Torsten Tschage, Andreas Schaaf und Steffen Täschner aus Görlitz sind diese Treffen ein Hauptgrund der Reise: "Wir möchten Begegnungsräume schaffen", sagte Schaaf und Tschäge ergänzte: "Durch das Reisen kommen wir zusammen." Die Differenzen seien dann nicht mehr wichtig, fasste Tschage zusammen. Die freie Reise ist es, die die Teilnehmer der Sternfahrt, 34 Jahre nach Unterzeichnung der ersten europäischen Verträge zum freien Grenzverkehr, verteidigen möchten.

 

Neben der Grenzenlosigkeit haben auch die deutschen und europäischen Städtepartnerschaften zur Versöhnung im Nachkriegseuropa beigetragen. Einige sind Teil der Initiative. Sie freue sich über eine Belebung der Vereinsarbeit durch die Sternfahrt, sagt Jadwiga Lange vom Partnerschaftsverein Wiesbaden-Wroclaw (Breslau). Sie machte Michal Pacia aus Breslau auf die Sternfahrt aufmerksam. Mit zwei Oldtimern auf einem Schlepper machte er sich daraufhin auf den langen Weg. Die Geschichte der Aussöhnung zwischen den beiden Ländern sei nicht immer einfach gewesen, erzählt Pacia. Doch in der jungen Generation sei auch ein Wille, über andere Themen zu sprechen. Für ihn ist der gemeinsame Austausch eine willkommene Möglichkeit, die europäische Idee jenseits von Geschichte und Parteipolitik anzusprechen.

 

Sabine Werner-Laufersweiler bringt es, bevor die Gruppe zu einer Fahrt durch den Rheingau aufbricht, auf den Punkt: "Der Gedanke, irgendwann ohne Europa zu leben, ist für mich ein Albtraum." Bis Sonntag sollen daher vier Tage Programm auf die Vorzüge Europas aufmerksam machen. Die Zukunft der Initiative bleibt das Reisen - mit allem, was Räder hat.

Biker aus ganz Europa treffen sich in Mainz

„WHEELS FOR EUROPE“

 

Die Idee von einem gemeinsamen Europa am Leben halten — das will der Verein „Wheels for Europe“. Dafür haben die Organisatoren am Europatag (9. Mai) Motorad- und Oldtimerfahrer aus ganz Europa zu einer Sternfahrt nach Mainz eingeladen.

 

„Wir brauchen nicht weniger Europa, sondern mehr“, sagt Kay-Uwe Schreiber. Sein Verein „Wheels for Europe“, dessen stellvertretender Vorsitzender Schreiber ist, möchte die Gemeinschaft zwischen den europäischen Staaten wieder stärken und ein neues Europa-Gefühl schaffen. Dazu beitragen sollen „vibrierende Motoren, die Faszination von Oldtimern und Motorrädern und der sanfte Klang von Elektrofahrzeugen“. Höhepunkt dieser im wahrsten Sinn rollenden Bewegung wird dann am 9. Mai, dem Europatag, eine Sternfahrt nach Mainz und Wiesbaden sein, an der Biker und Oldtimer-Fahrer aus sieben Nationen teilnehmen.

 

Klares Bekenntnis zu Europa

 

Wie Schreiber gegenüber Merkurist sagt, möchte „Wheels for Europe“ auch wieder den Städtepartnerschaften von Mainz und Wiesbaden „mehr Leben einhauchen“. So feiere Wiesbaden bald 90 Jahre Partnerschaft mit Klagenfurt und Mainz 60-jähriges Jubiläum mit Dijon. Um sie zu der Sternfahrt einzuladen, seien er und seine Kollegen im vergangenen Jahr in beiden Städten gewesen. Auch auf Abstechern nach Holland, Frankreich, Belgien, Kroatien und Polen hätten er und seine Freunde von „Wheels for Europe“ für die Idee geworben.

 

 

„Wir genießen immer noch die Vorteile des grenzenlosen Reisens oder beispielsweise das Zahlen mit einer Währung“, sagt Schreiber. Diese Vorteile solle man nutzen und nicht unter den Teppich kehren. Die Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen präge geradezu den Zusammenhalt und das gegenseitige Verständnis. „Europa muss zusammenhalten, nur so kann das was werden.“ Das sei der Antrieb, um sich auf der Straße gegen die Europa-Skeptiker und die Parolen der Nationalisten zu stellen, sagt Schreiber. Um für seine Idee zu werben, war der Verein auch beim Rosenmontagsumzug 2019 vertreten.

 

 

Positives Feedback aus Berlin und Brüssel

 

Von der Idee, für Europa „zu brennen und zu rollen“, wie der Verein es selbst beschreibt, sind inzwischen auch einige Politiker begeistert. So gab es bereits positives Feedback von der Sportgruppe des Deutschen Bundestags in Berlin. Zudem gab es ein Treffen mit EU-Kommissar Günther Oettinger in Brüssel. Demnächst werde es noch ein zweites Treffen im Juni mit Oettinger in Straßburg geben, sagt Schreiber.

 

Zuerst findet aber noch am 9. Mai die Sternfahrt nach Mainz und Wiesbaden statt. Das Datum sei dabei bewusst gewählt. „Dieser Tag ist nämlich der Europatag, von dem viele gar nicht wissen, dass es ihn gibt“, sagt Schreiber. „Wheels for Europe“ wünscht sich, diesen Tag nun zum „Feiertag“ zu machen. Insgesamt rechnet Schreiber mit 150 bis 200 Personen, die zur Sternfahrt in die beiden Landeshauptstädte kommen.

 

Wer Interesse hat, an der Veranstaltung teilzunehmen, kann sich auf der Seite von „Wheels for Europe“ anmelden.

 

(rk)

 

veröffentlicht am 08.04.2019 von Michael Meister - Autor von Merkurist.de

Mit Motorrädern und Oldtimern für Europa

VRM - Donnerstag, 21. Februar 2019 LOKALES 1

Initiative „Wheels for Europe" gründet Verein und plant Veranstaltungen vor Europawahl am 26.Mai 

Von Malte Albrecht 

WIESBADEN. Sie wollen ein Zeichen setzen für Europa: Nach einem aus ihrer Sicht erfolgreichen Jahr 2018 mit Besuch in Brüssel im Gebäude der Europäischen Kommission hat sich die Gruppe „Wheels for Europe" (Räder für Europa) für eine Vereinsgründung entschieden. So sähen die europabegeisterten Motorrad- und Oldtimerfahrer Perspektiven, um das Projekt auf Dauer zu stemmen, erläutert der frisch gewählte stellvertretende Vereinsvorsitzende Peter Hieronimus. 

9. Mai als jährlicher Aktionstag 

Der Verein verfolgt das Ziel der „Förderung internationaler Gesinnung" sowie „der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und der Völkerverständigung". Konferenzen, Ausstellungen, Workshops und Treffen sollen die „kulturhistorische Bedeutung der europäischen Einigung als wesentliches Element einer langandauernden Periode des Friedens in Europa würdigen". Der Europatag am 9. Mai wurde als jährlicher Aktionstag ausgewählt, um die „Europäische Frage in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken".
In diesem Jahr ist der Tag angesichts der anstehenden Wahl zum Europaparlament am 26. Mai von besonderer Bedeutung. Vom 9. bis 12. Mai ist daher ein Programm geplant, das unter anderem eine Sternfahrt aus unterschiedlichen Partnerstädten nach Mainz und Wiesbaden beinhaltet. Begleitet wird die Fahrt von Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen, die - ganz nach europäischem Vorbild - mehrsprachig und in Übersetzung gehalten werden. Der Verein folgt damit einer Erkenntnis, die die Initiative seit ihrer Entstehung leitet: Wenn man Menschen erreichen möchte, muss man zu ihnen hinfahren.
Die Vereinsmitglieder eint der Enthusiasmus für die europäische Idee. Die Freiheiten, Vorzüge und Errungenschaften der europäischen Einigung sind ihre Motivation. Die wachsende Europa-Skepsis der letzten Jahre zeige jedoch auch, dass die neuen Möglichkeiten nicht nur Freiheiten, sondern auch neue Konkurrenz und Ungleichheiten hervorgebracht haben.
,,Wie hast du's mit der Europäischen Union?" Um diese Frage werde es in den Wochen vor der Parlamentswahl gehen. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Diskussionen zu ermöglichen und einzufordern: ,,Das Thema EU gehört viel mehr besprochen und diskutiert", ist Hieronimus überzeugt. Das Vorhaben gewinne mehr und mehr Sympathisanten. Sportler, Künstler, Bürgermeister und Parlamentsmitglieder unterstützten die Initiative. Vereine und Privatpersonen, Angestellte, Beamte, Handwerker aus mehr als acht Ländern kämen regelmäßig miteinander ins Gespräch.
Eines ist den Vereinsmitgliedern dabei wichtig: Es gehe nicht um Parteipolitik, sondern um Diskussion und Mitbestimmung.

MITDISKUTIEREN 

 

Die nächste Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, bietet der Mainzer Rosenmontags-zug. Dort wird „Wheels for Europe" mit einem eigenen Wagen unter der Nummer 17 vertreten sein. Wer sich für die Teilnahme an der Sternfahrt interessiert, muss sich in Geduld üben. Details dazu werden noch bekannt gegeben.

Völkerwanderung auf zwei Rädern

Artikel in Bike and Business vom 07.02.2019

„Wheels for Europe“ startet mit Motorrädern und Oldtimern

Wiesbaden, 20.10.2018 Artikel Wiesbadener Kurier

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Artikel Mainz / Wiesbaden Pfingsten 2018
Oldies und andere Champions
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Artikel Wiesbadener Kurier Samstag 12.Mai 2018
Reise in die Partnerstadt als Zeichen für Europa
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